Keep your face always toward the sunshine

24. Dezember 2020
24. Dezember 2020 Philipp Hans

Womöglich mag es sich nach „Schlaumeierei“, oder „Neunmalklugheit“ anhören einen Text mit einem ach so wohlklingenden Zitat von Amerikas größtem Poeten anfangen zu lassen. Dies ist aber nicht meine dahinterstehende Absicht. Ich lese grundsätzlich einfach gerne Zitate und während meiner Vorbereitung auf das Staatsexamen in Englisch habe ich mich näher mit Walt Whitman und seiner Poetry-Collection „Leaves Of Grass“ auseinandergesetzt und war angetan von seinen Werken. Das obige Zitat spiegelt mein bisheriges Jahr gut, allerdings in einer komplett entgegengesetzten Richtung. Die Sonne schien mir nicht ins Gesicht und die daraus resultierenden Schatten breiteten sich nicht hinter mir aus, sondern stellten sich mir direkt in den Weg und legten sich auf mein Gemüt wie ein grauer Nebelschleier.

 

Prüfungsstress und Zweifel

2020. Ich wusste, dass es ein anstrengendes Jahr werden würde: Ein Staatsexamen in Sport im Frühjahr, eins in Englisch im Herbst und dazwischen die Zulassungsarbeit, welche die Ausmaße einer Masterarbeit hatte. Nun mit einem abgeschlossenen Studium in der Tasche kann ich zurückschauend sagen, dass mir das Jahr mehr abverlangt hat, als ich es für möglich gehalten hätte.

Während den Vorbereitungen auf das Sportexamen war ich optimistisch. Sport, im Vergleich zu Englisch mein ohnehin besseres Studienfach fand ich schon immer interessant und so ging mir die Vorbereitung relativ leicht von der Hand. Am Prüfungstag war alles optimal vorbereitet. Alles was zu lernen war, war gelernt und alle möglichen Prüfungsfragen waren mündlich durchgesprochen. Dennoch lief die Prüfung nicht gut, ich fand nicht die richtigen Worte und verrannte mich immer wieder in Sackgassen. Am Ende lief ich enttäuscht aus der Prüfung. Zwar immer noch mit einer gut bis befriedigenden Prüfungsleistung, dennoch fühlte ich mich leer. Das sollte es nun gewesen sein? Und viel mehr, was sollte aus Englisch werden?

Englisch als ein Studienfach indem ich immer wieder nur knapp das Bestehen erreichte. Als ich anfing den Lernstoff zu strukturieren merkte ich, dass ich im Grunde bei null anfangen musste. Erste Zweifel kamen auf, die sich zunehmend verfestigten: Was, wenn ich Englisch nicht bestehen würde? Fünf Jahre Studium ohne Abschluss. Das mag sich etwas überspitzt anhören, aber ich denke jeder der sich schon in einer ähnlichen Lernsituation befunden hat weiß wovon ich spreche. Denn wenn sich das Gedankenkarussell einmal dreht, kann man davon nicht so schnell abspringen. Aufmunternde „Du schaffst das schon“- Parolen der Menschen um einen herum sind dabei zwar nett gemeint, helfen aber in solchen Momenten nicht weiter. Fakt ist, in solchen Momenten ist man schlicht komplett auf sich allein gestellt. Der Schlüsselpunkt und die daraus resultierende Botschaft für mich war, als ich nach einem eher deprimierenden Lerntag abends den Film „Whiplash“ angeschaut habe.

 

Do it like Charlie Parker

In folgender Szene erzählt der hartgesottene Dozent des Shaffer Conservatories Terence Fletcher seinem Schützling Andrew, wie Jazzmusiker Charlie Parker zu einer wahren Jazzlegende wurde.

Charlie Parker wurde zu einem Charlie Parker, weil ihm ein Becken an den Kopf geworfen wurde. Parker war jung, spielte ziemlich gut am Saxophon. Er trat bei einem Improvisationswettbewerb an und verkackte es. John´s, der Bandleiter enthauptete ihn fast dafür und er wurde von der Bühne gelacht. In der Nacht heulte er sich in den Schlaf, aber am nächsten Morgen…Was machte er da? Er übte und er übte und er übte. Mit nur einem Ziel vor Augen: Nie wieder ausgelacht zu werden. Kurze Zeit später spielte er das beste Saxophon-Solo was auf dieser gottverdammten Erde je gespielt wurde.“

Womöglich etwas dick aufgetragen, aber genau das war es was ich brauchte. Egal wie schlecht ein Lerntag doch war, am nächsten Morgen saß ich wieder um 7Uhr am Schreibtisch und am Tag danach und am Tag nach diesem Tag. Immer…bis zur Prüfung. Dieses Durchhaltevermögen welches ich bei mir persönlich schon bei beiden Grönlandexpeditionen entdeckt habe, trägt meiner Meinung nach, jeder Mensch in sich er muss sich nur auf eine Sache wirklich fokussieren. Sich komplett auf diese konzentrieren und in ihr aufgehen. Fälschlicherweise wird so ein „In-einer-Sache-aufgehen“ häufig als Egoismus abgestempelt.

Am Prüfungstag selbst war ich unglaublich aufgeregt. Längst war nicht alles gelernt und auch nicht alle Prüfungsprotokolle durchgesprochen. Dennoch lief die Prüfung gut, die Aspekte die ich vorbereitet hatte konnte ich in die Prüfung einfließen lassen und als die Prüfungsvorsitzende am Ende ein „gut“ als Prüfungsleistung aussprach traute ich meiner Ohren nicht.

 

Abgeschlossenes Studium. Und nun?

„Was kommt jetzt?“ Die geflügelte Phrase in unserer Gesellschaft. Stillstand gilt es zu vermeiden. Auch mich trieb diese Frage das komplette Jahr über um. In einer Sache bin ich mir sicher. Ja, Lehramt ist das Richtige für mich. Nur im Zeitpunkt war ich mir bis vor kurzem noch nicht sicher. Direkt ins Referendariat, oder erstmal ein Jahr aussetzen und sich selbst ausprobieren?

Es war ein langes Hin- und Her, doch letztendlich ist die Entscheidung gegen ein direkten Referendariats Antritt 2021 ausgefallen. Neben dem Studium haben sich in den letzten zwei bis drei Jahren Dinge auf sportlicher Ebene entwickelt die zunehmend eine professionelle Richtung einschlagen. Durch Moritz und meine Erfolge bei Ninja Warrior hat unser Bekanntheitsgrad drastisch zugenommen und durch die Expeditionen mit Stefan Glowacz habe ich die Möglichkeit bekommen Geschichten zu erzählen, Vorträge zu halten und Menschen dadurch zu begeistern und zu inspirieren.

Moritz hat durch seinen Erfolg bei „Let´s Dance“ ebenfalls beschlossen sein Studium erstmal zu unterbrechen und sportliche und mediale Ziele zu verfolgen. Und auch bei mir stehen spannende Projekte, vor allem auf expeditionstechnischer Ebene bevor. Also Leute, stay tuned! Die Hansis sprudeln vor Ideen und Projekten, welche in naher Zukunft Umsetzung finden. 😊

 

Keep your face always toward the sunshine

In der Sonne auf Teneriffa liegend (wo ich gemeinsam mit meiner Freundin, Moritz und dessen Freundin, die letzten vier Wochen verbracht habe) mag das einfach erscheinen. Wohingegen hier in Deutschland die Sonne schon schwieriger zu finden ist. Verdeckt durch dicke Wolkendecken und kurze Tage, in Verbindung mit dem durch Corona stark reglementierten Sozialleben zeichnet sich doch ein sehr trübes und bedrückendes Bild ab. Wann wird es vorbei sein? Was verändert es in uns Menschen? Ich persönlich merke wie Corona mich unterschwellig doch sehr belastet, weil der Ausgang so ungewiss ist.

Nun ist heute Weihnachten. Das Fest der Hoffnung und der Liebe. Deshalb, nehmt euch Whitman zu Herzen und reckt euer Gesicht Richtung Sonne, auch wenn Wolkenschleier in Form von Staatsexamen und einem Coronavirus diese für eine Zeit lang verdecken mögen. Am Ende ist es immer die Sonne die alle Schatten vertreibt, oder sie zumindest hinter euch wirft. Weitergehend, macht es wie Charlie. Glaubt an euch und lasst euch nicht von euren Zielen, welche ihr euch persönlich gesetzt habt abbringen.

In diesem Sinne wünschen euch die Hansbrüder: Frohe Weihnachten!

Hier einige Impressionen unseres Teneriffatrips:

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