Coronavirus, Staatsexamen und geschlossene Kletterhallen

17. März 2020
17. März 2020 Philipp Hans

Draußen scheint die Sonne und es ist herrlich warm. Es riecht und schmeckt nach Frühling, auch wenn eigentlich etwas ganz anderes in der Luft liegt. #Corona-Virus.

Ich sehe der Sonne allerdings nur wehmütig hinterher, wie sie auf und wieder untergeht, denn ich sitze an meinem Schreibtisch und mein Kopf brummt. Ende April steht sie an, meine Staatsexamensprüfung im Fach Sport für gymnasiales Lehramt. Heute habe ich mich mit den Olympischen Spielen 1936 in Berlin beschäftigt und war wieder einmal sehr erstaunt was für unglaubliche Blender die Nazi´s waren: haben sie doch der Welt glaubhaft vorgegaukelt, dass sie die Spiele nicht zu Propagandazwecken sondern rein zu einer „Völkerverständigung“ nutzen würden. Stimmt, macht Sinn: Deswegen wurden auch deutsch-jüdische Sportler von den olympischen Spielen ausgeschlossen und der Lorbeerkranz und das Ölbäumchen gegen ein richtig schön deutsches Eichenblatt und ein Eichenbäumchen eingetauscht. Ganz große Klasse!

 

Szenen wie in einem Katastrophenfilm

Es ist eine spannende Zeit, in der wir uns momentan befinden. Eine Zeit die uns als Menschen auf eine Probe stellen wird. Der Ratschlag der Regierung sich von seinen Mitmenschen zu isolieren, die Straßen teilweise wie leergefegt: Solche Szenarien hätte sich wohl vor einer Woche noch niemand vorstellen können. Das Thema ist omnipräsent und bei meinem letzten Einkauf im Supermarkt habe ich insgeheim nur darauf gewartet, dass ums nächste Eck ein Zombie daher geschwankt kommt. Es ist schon irgendwie gespenstisch und in einer gewissen Weise auch bedrückend, vor allem wenn man Szenen aus Italien sieht. Wird uns das Gleiche erwarten nur etwas zeitversetzt?

 

Zurück nach Köln

Für mich wird sich erstmal nicht viel verändern, ich befinde mich eh schon in meiner selbst auferlegten Lernquarantäne mit kleineren Ausflügen in die Kletterhallen im Raum Stuttgart. Wobei diese nun ja auch geschlossen sind. Red Chili, der Kletterschuhsponsor von Moritz und mir, hat uns gebeten ein kurzes Statement abzugeben wie wir in Zeiten von Corona weiter trainieren. Für Moritz, der sich momentan im Training für die nächste „Let´s Dance Live-Show“ befindet, hieß dies zurück nach Köln zu fahren. Normalerweise trainiert er von Sonntag bis Mittwoch in Stuttgart sodass er zuhause schlafen kann, aber da seit Samstag nun auch alle Tanzstudios in Stuttgart zu gemacht haben musste er zurück nach Köln. Warum Studios in Köln noch offen haben dürfen und warum die Show nach wie vor, wenn auch mit Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden wird, ist dabei die andere Frage. Moritz hat dabei ein mulmiges Gefühl. Schließlich ist es ja eine Show, die von der Dynamik des Publikums lebt.

Ich war seit Freitag in keiner Kletterhalle mehr, aber sehe es nicht weiter als Problem, sondern eher als eine logische Konsequenz, wenn man bedenkt, dass das Virus bis zu zwei Wochen auf Kunststoff überleben kann. Trainieren kann ich auch außerhalb von Hallen.

 

„Ach wenn ihr das macht, dann machen wir das jetzt auch.“

Viel mehr als Sport beschäftigt mich momentan das Krisenmanagement der deutschen und europäischen Regierung mit der Corona Krise. Man weiß wohl schon seit gut zwei Wochen, dass es zu einer Pandemie kommen wird, heißt dass 80 Prozent der Weltbevölkerung an dem neuartigen Coronavirus erkranken wird und trotzdem sind Test- und Versorgungsstationen völlig unterbesetzt und eine klare Linie, beziehungsweise ein zentrales, einiges europäisches Krisenmanagement gibt es nicht. Frankreich hat seit gestern eine Ausgangssperre verhängt, wann entscheiden sich die anderen Staaten dazu? Während die Regierung uns anhält zur Isolation (zwei Meter Abstand halten, Hände solange waschen bis man zweimal hintereinander „Alle meine Entchen“ vor sich hin gesummt hat und in die Armbeuge husten), haben sie wohl die Situation an der türkisch-griechischen Grenze vergessen. All das was uns hier gepredigt wird, wird dort über den Haufen geworfen. Im Flüchtlingscamp Moria auf Lesbos leben derzeit 19.000 Menschen unter menschenunwürdigen Bedingungen: Zusammengepfercht auf engstem Raum, zwei Meter Abstand halten Fehlanzeige, KEINE Seife und auch KEINE Desinfektionsmittel – liebe Hamsterkäufer, denkt mal an dieser Stelle über euer Verhalten nach.

 

Eine immense Aufgabe

Ich weiß, dass ich hier am rumschimpfen bin während ich gemütlich auf der Coach sitze und den Text hier verfasse, sozusagen mich hier auf meinem hohen Ross befinde. Gerne aber bin ich dazu bereit zu diskutieren.

Mir ist schon auch bewusst, dass es eine immense Aufgabe ist, vor die Europa gestellt wird und dass man dann erstmal „nach sich selbst“ gucken muss. Aber die Flüchtlingssituation vor Griechenland besteht ja auch nicht erst seit gestern! Deswegen hoffe ich auf eine schnelle Evakuierung und appelliere an die Menschlichkeit.

Das was ich von der Regierung erwarte ist ein klares, durchsichtiges Krisenmanagement mit klaren zentralen Handlungsanweisungen. Ich helfe gerne, aber wenn es momentan die größte Hilfe ist einfach zuhause zu bleiben dann werde ich eben das tun.

Trotz der eigentlichen Isolation unserer Gesellschaft (Grenzschließungen, Häuser, die nicht verlassen werden dürfen) und so paradox es sich auch anhören mag bin ich der Meinung, dass uns diese Krise doch menschlich noch näher zusammenbringen kann.

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